Let’s Talk René Obermann – Eventnachbericht

Let’s Talk mit dem Ex Telekom CEO Rene Obermann

Am 15. Juli 2020 lud der Venture Club Münster zum Let’s Talk mit René Obermann ein. Rund 50 Zuhörer konnten spannende 90 Minuten über Zoom erleben.

Rene Obermann ist Geschäftsführer von Warburg Pincus, was macht das Unternehmen?

Warburg Pincus wurde in den 60ern gegründet und ist ein aus Amerika stammendes internationales Private-Equity Unternehmen. Mittlerweile ist das Unternehmen auf fünf verschiedenen Geschäftsbereiche fokussiert. Sie haben rund 190 Unternehmen im Portfolio und gehören somit zu den Top 10 im Private-Equity weltweit. Sie unterstützen auch frühphasige Unternehmen, immer mit einem Mindestinvestment von 100 Millionen US-Dollar. Dabei agieren sie als aktiver Investor, um gemeinsam ein Wertwachstum des Unternehmens zu erreichen. Rene Obermann verantwortet zusammen mit seinem Londoner Kollegen das Europa Geschäft.

Welche Verbindung gibt es zu Münster?

Nach seiner abgeschlossenen Ausbildung bei BMW hat Rene Obermann sich für Volkswirtschaftslehre an der WWU eingeschrieben, da er unbedingt noch studieren wollte. Um sich sein Studium zu finanzieren, machte Obermann bereits im ersten Semester selbstständig und gründete sein erstes Unternehmen: ABC Rufsysteme. Nach vier erfolgreich absolvierten Semestern brach er das Studium jedoch ab, da sein Unternehmen immer erfolgreicher wurde und merk Aufmerksamkeit forderte.

Wie kommt man zum Sektor Telekommunikation?

Während seiner Lehre hat Obermann an den Wochenenden bei einem Startup im Bereich der Telekommunikation gejobbt. Dort hat er einen umfangreichen Einblick in diesen Sektor bekommen. In den 80er Jahren war die Kommunikation nicht so individuell wie heute, Telekommunikation war spannend und ein Stück Lifestyle. Analoge Technologien, d.h. Anrufbeantworter und Funkrufsignale waren das Maximum der individuellen Kommunikationsfreiheit. Damit hat Obermann auch in Münster angefangen und zunächst B2B im Münsterland verkauft und vermietet. Das Münsterland, so sagte Obermann, habe viele Unternehmer, die ein Herz für Jungunternehmer haben. Die Klientel ist konservativ, aber durchaus Unternehmerfreundlich.

Was hat das Unternehmen skalieren lassen? 

Obermann hatte keine hohe Erwartungshaltung, dass seine Gründung so eine große Dynamik annehmen würde. Er wusste, dass eine gewisse Nachfrage Kommunikation zu individualisieren und moderne Geräte zu nutzen vorhanden ist. Schnell bemerkte er, dass Leasing wesentlich lukrativer ist. Im zweiten Geschäftsjahr hat er schon über 5 Millionen Umsatz gemacht. Er war Preisaggressiv, da er sich von anderen Konkurrenten differenzieren musste.

Wie verlief das weitere Wachstum? Oder konnte man im Münsterland über 10 Millionen Euro Umsatz machen? 

Sein zunächst kleines Unternehmen wuchs sehr schnell. Um weiteres Wachstum zu generieren und höheren Umsatz zu verzeichnen, wurde der Radius über die Grenzen von Münster erweitert. Nach dem dritten Jahr nach Gründung bekam Obermann einen Partner dazu, der sich an der Firma beteiligte. Durch die Zusammenarbeit hat das Unternehmen einen großen Wachstumsschub verzeichnen können. Insbesondere das Vertriebsgebiet ist in nur kurzer Zeit sehr gewachsen, da zusätzliche Mitarbeiter im Vertrieb eingestellt worden sind.

Was waren die größten Learnings?

„Wir haben viel zu wenig vorgedacht, sondern immer nur nachgedacht.“, sagte Obermann während des Gesprächs. Er selbst sei mehr ein operativer Typ und habe zu wenig strategisch gearbeitet. Doch sind sie mit diesem Vorgehen von 0 auf 200 Millionen Euro Umsatz gekommen innerhalb von weniger Jahren. Er ist stolz auf das was er erreicht hat, glaub aber, er hätte noch viel mehr mit ABC Rufsysteme erreichen können. Regelmäßiges reflektieren der eigenen Arbeit und der Prozesse und Arbeitsschritte im Unternehmen seien bei ihm früher viel zu kurz gekommen.

Gab es damals in Münster Mentoren, an die man sich wenden konnte und die einem unternehmerisch Unterstützung gegeben haben?

Zu seiner Zeit war es so, dass Mentoren auf einen zugekommen sind, wenn man erfolgreich war. In der Anfangsphase hatte Obermann einige Leute, die ihn unterstützt und Hilfe geboten haben. Die wirklich bedeutsamen, die wirklich eine gute Guideiance geben, die findet man wenn man eine gewisse Position auf dem Markt hat. Heutzutage ist die Situation allerdings etwas anders.

ABC Rufsysteme – Die ersten Buchstaben im Alphabet?

Die Idee hinter dem Namen ist simpel. Obermann wollte als erstes im Branchenbuch gelistet werden, weshalb er die ersten drei Buchstaben des Alphabets gewählt hat. Branchenbücher waren damals wie Google heute ist oder in anderen Worten: die Namenswahl des Unternehmens war das SEO von Zeiten der Gründung.

Was waren die größten Herausforderungen im unternehmerischen Alltag?

Die Organisation wurde größer und zugleich auch professioneller. Obermann sagte, dass sie eventuell auch an einigen Stellen etwas zu überformal wurden. Beide Partner hatten kaum Großkonzern Erfahrung und wollten es gegenüber ihren Hongkonger Kollegen von Hutchison Whampoa nach deren Übernahme von 68%, besonders gut machen.

Wie verlief der Wechsel zur Telekom oder T-Mobile?

Nach der Fusion seines Unternehmens mit Hutchison Whampoa und dem Erhalt einer Lizenz als Mobilfunkprovider, blieb Obermann noch einige Jahre bei der nun genannten Hutchison Mobilfunk GmbH.

Die Kleinstadt Münster war für Obermann nach einigen Jahren jedoch einfach zu eng, weshalb er die Chance wahrgenommen hat und Geschäftsführer Vertrieb von T-Mobile Deutschland GmbH wurde, als diese noch ein recht kleines Unternehmen waren. Der damalige Telekom Chef hatte laut Obermann die richtige Vision für die Zukunft des Unternehmens gehabt. Die Telekom saß damals auf einem riesigen Festnetzgeschäft und 200.000 Mitarbeitern. Die Transformation weg von einem Monopol, das ihnen damals weggenommen wurde, brauchte zwei neue Köpfe. So wurde Obermann, gemeinsam mit seinem Freund Kai-Uwe Ricke gefragt, ob sie gemeinsam den Markt aufmischen gegen Vodafone.

Nach 12 Jahren Sparsamkeitskultur in seiner eigenen Firma kam Obermann zum Konzern Deutsche Telekom kam, damals noch fast Monopolist. Hier waren die Fragestellungen grundlegen anders und so war primär das Problem, wie so viel Cash-Flow sinnhaft reinvestiert werden kann. Geld spielte da eine viel geringere Rolle und so musste Obermann in der Übergangsphase sich zunächst an diese neuen Dimensionen gewöhnen.

Der Venture-Club Münster bedankt sich recht herzlich für diesen Einblick und die spannenden 90 Minuten.

2020-07-20T20:59:38+02:00 20. Juli 2020|Allgemein, LET´S TALK, Wissenswertes|